Javier Álvarez:
Temazcal



Javier Álvarez (*1956)

Temazcal (1984)
 für Maracas und Zuspielband

 

Der Solist, der das Stück auch für das Programm ausgesucht hat, ist Nicholas Reed, Schlagzeug.

Wie immer hier eine kleine Info zum Komponisten und zum Stück:

Javier Álvarez wurde 1956 in Mexiko City geboren, wo er Klarinette und Komposition bei Mario Lavista studierte. Danach wechselte er in die USA und 1982 nach England, wo er das Royal College of Music und die City University in London besuchte. Seine ersten elektroakustischen Werke wie beispielsweise Temazcal (1984) stammen aus dieser Zeit. Eine Vielzahl der Werke von Álvarez beinhalten Elemente des lateinamerikanischen Tanzes, wie z. B. des Mambo. Álvarez, der auch als Dozent und Professor an verschiedenen Universitäten lehrt, ist Gründungsmitglied des Sonic Arts Network und 1993 künstlerischer Direktor der Society for the Promotion of New Music. Nach 25 Jahren kehrte er aus England nach Mexiko zurück, wo er seither in Mérida lebt und Direktor des Musical Arts Department der Escuela Superior de Artes de Yucatán ist.

Von Javier Álvarez hat das Ensemble Aventure bereits in einem Mexico gewidmeten Programm in der Tonhalle Düsseldorf und in der ESS Freiburg Ende Januar 2010 die perkussive Toccata Papalotl (Schmetterling, 1987) für Klavier und elektroakustische Klänge gespielt (Akiko Okabe, Klavier).

Ebenso virtuos und mit Zuspielband versehen ist das ca. neunminütige Temazcal auf unserem Video. Zu Beginn startet der Solist ein Zuspielband mit atmosphärischen Klängen und Rhythmen aus Mexiko – drehen Sie ihre Lautsprecher schön laut auf, dann hören Sie die Klänge besser – und genießen Sie die geschmeidige Choreografie unseres Schlagzeugers Nicholas Reed.

Temazcal: Traditionelle Rhythmen aus dem venezolanischen Flachland (wo die Maracas-Spieler entgegen der sonstigen Behandlung dieses Instrumentes in lateinamerikanischer Musik auch als Solisten hervortreten) bilden das Material und die Vorlage für ein wirkungsvolles Stück, dessen Name ein rituelles Dampfbad aus prähispanischer Zeit bezeichnet. Das uralte Ritual des „Temazcal", aztekisch für „Badehaus", dient der Gesundheit, z. B. der Stärkung des Immunsystems, der Regulation des Herz-Kreislaufsystems, der Reinigung der Atemwege, der Linderung von Rheuma-Beschwerden, der Entspannung u. v. m. und wird auch heute noch zelebriert.

Álvarez greift das Feuerritual „authentisch" und mit musikalischem Augenzwinkern zugleich auf, thematisiert weniger seine spirituellen als vielmehr seine klanglichen Aspekte auf und beschreibt das Werk folgendermaßen:
„Mir schwebte ein Stück vor, bei dem der Spieler kurze rhythmische Patterns beherrscht, die dann mit großer Virtuosität zu größeren und komplexeren rhythmischen Strukturen zusammengefasst [...] und gegen ähnliche Teile auf dem Tonband gesetzt werden, so dass ein dichtes polyrhythmisches Geflecht entsteht." Geschickt und effektvoll steigert, kombiniert und dramatisiert Álvarez die feurige Musik, bis das Stück heiter und etwas klischeehaft im traditionellen Stil endet.