Jonas Baes:
PATANGIS-BUWAYA



 

Jonas Baes (*1961)

PATANGIS-BUWAYA (... und das Krokodil weint) (2003)
 Version für drei Blasinstrumente und ein Schlaginstrument

Aufnahme: Freiburger Konzertprogramm vom 24.11.2017 zum Thema Fokus Philippinen in der Elisabeth Schneider Stiftung

Die Ausführenden sind:

Martina Roth, Flöte – Andrea Nagy, Bassklarinette – Wolfgang Rüdiger, Fagott – Nicholas Reed, Schlagzeug – und Publikum.

Bitte schalten Sie am Anfang ruhig auf laut, denn das Stück beginnt mit leisen Atemluft- und Instrumentalklängen und steigert sich dann zu lauten Aktionen und Rufen.
Und bitte schauen Sie in der Mitte, ab Minute 8, da verteilen Musikerinnen Steine und Vogelpfeifen aus dem philippinischen Regenwald an die HörerInnen, die am Ende zu MusikerInnen werden und das Stück in wunderschöner Atmosphäre ausklingen lassen, derweil wir Spieler stille werden und zuhören – ein unvergessliches Ereignis.

Und wenn Sie mögen, liebe HörerInnen, nehmen Sie gerne zu Hause aktiv teil am Stück – indem Sie sorgsam schön klingende Steine auswählen und sich im letzten Drittel am Ritual der gemeinsamen Aufführung beteiligen – Jonas Baes wird es Ihnen, wie wir, danken und als Akt der Solidarisierung empfinden.

Jonas Baes schreibt zu PATANGIS-BUWAYA (... und das Krokodil weint):
„Das Werk basiert auf einer Partitur, die aus einem einseitigen Blatt und verbalen Anweisungen  besteht, wie sich vier Darsteller auf tiefen Blasinstrumenten und einem Schlaginstrument zwischen einem regelmäßigen Klang und Stille sowie einer freien Improvisation in sieben klanglich heterogenen Zyklen verhalten. Ein Großteil der Details müssen die Musiker ausarbeiten, auch unter dem Eindruck früherer Auftritts-Aufnahmen aus Tokio, Kuala Lumpur, Budapest und Ho-Chi-Minh-Stadt. Das Publikum ist nicht Empfänger eines Werkes, sondern Zeuge und sogar Teilnehmer einer Aufführung [...], in der ungehörte Stimmen der Iraya-Mangyan-Einwohner der philippinischen Insel Mindoro zum Ausdruck kommen."
Denn nachdem Baes mit seinen indigenen Landsleuten gearbeitet hatte, verfolgte ihn der Eindruck, wie ihr Land durch Bergbau und militärische Operationen usurpiert wird. Die Komposition, die von Musikern nichtwestlicher Kulturen auf ihren eigenen Instrumenten realisiert werden kann, ist keine Nachricht, sondern eine Öffnung. Der Titel des Werkes stammt aus einem Iraya-Mangyan-Epos: Die Frau von Alitawu, dem Helden, war von seinem Feind entführt und getötet worden. Als er sich anschickte, Rache für das Verbrechen zu nehmen, rief er seinen Hund zu sich, indem er auf seiner Flöte spielte, ‚ein Klang, um sogar die Krokodile zum Weinen zu bringen'."

Jonas Baes, geboren 1961, Komponist, Ethnomusiker, Kulturwissenschaftler, studierte an der Universität der Philippinen bei Jose Maceda und an der Musikhochschule Freiburg bei Mathias Spahlinger. Seine Schriften über die Musik der indigenen Völker wie den Iraya-Mangyan-Einwohnern werden in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht. Seine Kompositionen für traditionelle asiatische Instrumente und Gesangstechniken [...] wurden auf verschiedenen internationalen Festivals in Asien, den USA, Australien, Neuseeland und Europa aufgeführt. 2008 von der Nippon Foundation ausgezeichnet, gründete Jonas Baes 2009 das Manila Composers Lab, eine Organisation von Komponisten der Universität der Philippinen, die Veranstaltungen und Workshops für junge Komponisten und Instrumentalisten im Südosten Asien durchführen. Jonas Baes lehrt als Professor an der Universität der Philippinen und war als Gastdozent in Malaysia, Japan, den USA und Deutschland tätig.